Identity File erklärt — OpenClaw Agent Grundkonfiguration
Direkte Antwort: Das Identity File ist die OpenClaw-Konfigurationsdatei, die die Basisidentität deines Agenten festlegt: Name, Rolle, Sprache, gewähltes LLM-Modell und Erstellerinfos. Sie ist die nüchterne Visitenkarte, während die Soul.md die Persönlichkeit ausarbeitet.
Was ist das Identity File?
Das Identity File ist die Grundkonfiguration deines OpenClaw-Agenten. Es definiert die Basics: Wer ist der Agent, wie heißt er, welche Rolle hat er und wie soll er grundlegend agieren.
Während die Soul.md die tiefergehende Persönlichkeit formt, legt das Identity File die Basisidentität fest. Du kannst das Identity File als digitale Visitenkarte deines Agenten verstehen — es enthält die wenigen Fakten, die unverhandelbar zu seiner Existenz gehören.
Kontext
OpenClaw arbeitet mit einer mehrschichtigen Konfigurations-Architektur. Identity, Soul, User und Memory sind separate Markdown-Dateien mit jeweils klar abgegrenzter Verantwortung. Die Trennung ist bewusst gewählt: Sie macht das System modular, versionierbar und übersichtlich.
Identity gehört zu den statischen Dateien, die du nach dem Setup selten änderst. Wenn du z.B. dein LLM-Modell wechselst (von Claude 3.5 Sonnet auf Claude 4 Opus), passt du das Identity File an. Beim Wechsel des Tonfalls ist die Soul.md die richtige Adresse.
Funktionsweise
Beim Start des Gateway liest OpenClaw das Identity File ein und setzt damit:
- Welches LLM-Modell soll genutzt werden (Claude 3.5 Sonnet, Claude 4 Opus, GPT-4o, etc.)
- Welcher Modell-Provider ist zuständig (Anthropic API, OpenAI, Local Ollama, etc.)
- Default-Sprache der Antworten
- Logischer Name des Agenten in Logs und Telemetrie
Diese Werte werden bei jedem Request mitgegeben und beeinflussen, an welchen Provider der Call geht und mit welchen Default-Parametern.
Inhalt eines typischen Identity Files
Name: Max
Rolle: Persönlicher KI-Assistent
Sprache: Deutsch
Modell: claude-sonnet-4-5
Provider: anthropic
Ersteller: Tobias Sander
Version: 1.2
Erstellt: 2025-09-12
Manche Identity Files enthalten zusätzlich technische Felder wie max_tokens, temperature oder system_role-Tag. Diese sind optional, aber nützlich, wenn du z.B. einen sehr deterministischen Agenten möchtest (temperature: 0.2) versus einen kreativen (temperature: 0.9).
Praxis-Beispiel
Ein vollständigeres Identity File für einen Customer-Support-Agenten:
# Identity
Name: Anna
Rolle: First-Level Customer Support
Unternehmen: Beispiel GmbH
Sprache: Deutsch (du-Form)
Fallback-Sprache: Englisch
# Modell-Konfiguration
Modell: claude-sonnet-4-5
Provider: anthropic
max_tokens: 1024
temperature: 0.3
# Meta
Version: 2.0
Maintained-by: support-team@beispiel.de
Das Modell bekommt damit eine klare Ausgangsidentität. Wenn der Nutzer fragt "Wer bist du?", weiß der Agent: "Ich bin Anna, First-Level-Support bei Beispiel GmbH."
Identity vs. Soul.md vs. User.md
| Datei | Definiert | Beispiel | | --- | --- | --- | | Identity | Wer der Agent IST | Name, Modell, Sprache | | Soul.md | Wie der Agent sich VERHÄLT | Persönlichkeit, Regeln, Expertise | | User.md | Wer der NUTZER ist | Dein Name, Job, Vorlieben | | Memory | Was der Agent sich MERKT | Vergangene Gespräche, Fakten |
Die Trennung ist nicht akademisch — sie hat praktische Konsequenzen: Du kannst dieselbe Soul.md mit unterschiedlichen Identities kombinieren (z.B. einen lokalen Test-Agenten mit kostenlosem Ollama-Modell, einen produktiven mit Claude Sonnet).
Warum ein separates Identity File?
Die Trennung hat praktische Gründe:
- Mehrere Agenten: Du kannst verschiedene Identitäten für verschiedene Zwecke haben (Privat-Assistent, Support-Bot, Research-Agent)
- Schneller Wechsel: Identity ändern, ohne die Soul.md anzupassen — z.B. Modell-Wechsel nur an einer Stelle
- Klare Struktur: Jede Datei hat eine klare Verantwortlichkeit
- Cost-Control: Identity bestimmt das Modell, das Modell bestimmt die Kosten. Eine Stelle für Cost-Tuning.
- Multi-User-Setups: Mehrere Nutzer können dieselbe Soul mit unterschiedlichen Identities nutzen
Häufige Fehler / Stolperfallen
- Modell-Namen falsch geschrieben: OpenClaw validiert das Modell, aber Tippfehler wie
claude-sonet-4-5führen zu sofortigem Fail. Prüfe gegen die offizielle Anthropic-Modell-Liste. - Provider und Modell mismatch: Wenn du
provider: anthropicschreibst, abermodel: gpt-4o, gibt es einen Fehler. Achte auf Konsistenz. - Identity-Werte in der Soul.md duplizieren: Schreibe den Namen des Agenten nicht zusätzlich in die Soul.md. Single Source of Truth = Identity File.
- Geheime Daten: Lege keine API-Keys ins Identity File. Dafür gibt es separate
.envoder Secret-Stores. - Versionsfeld ignorieren: Wenn du im Team arbeitest, ist das Versions-Feld dein bester Freund, um zu wissen, ob alle die gleiche Identity nutzen.
Identity File und Multi-Agent-Architekturen
Wer mehrere Agenten parallel betreibt (z.B. einen Privat-Assistenten und einen Business-Assistenten auf demselben Server), nutzt typischerweise mehrere Identity Files. Jedes Identity File definiert Modell, Provider und Basisrolle. Das Gateway lädt je nach Kontext (z.B. welcher Telegram-Bot kontaktiert wurde) die passende Identity.
Das ermöglicht:
- Unterschiedliche Modelle pro Agent (Privat = Haiku 4.5, Business = Sonnet 4.5)
- Verschiedene Soul.mds und User.mds
- Getrennte Memory-Stores
Workflow zum Identity-File-Wechsel
Wenn du z.B. von Claude Sonnet 4.5 auf Sonnet 4.6 wechseln willst:
# 1. Identity File anpassen
sed -i 's/claude-sonnet-4-5/claude-sonnet-4-6/' identity.md
# 2. Gateway neu starten
sudo systemctl restart openclaw
# 3. Logs pruefen, ob alles laeuft
journalctl -u openclaw -f
Genau eine Stelle, die du anfasst. Andere Konfigurations-Layer bleiben unverändert.
Verwandte Begriffe
Mehr dazu in Modul 1 der Masterclass und Modul 3.