Heartbeat erklärt — Proaktive KI-Agenten mit OpenClaw
Direkte Antwort: Heartbeat ist OpenClaws eingebauter Scheduler, mit dem dein Agent zeitgesteuert eigenständig Aufgaben ausführt — ohne dass du ihn anschreiben musst. Er kombiniert Cron-ähnliche Trigger mit LLM-Intelligenz für proaktive Workflows wie Morgen-Briefings oder Monitoring.
Was ist das Heartbeat-System?
Das Heartbeat-System ist eine der einzigartigen Funktionen von OpenClaw. Es ermöglicht deinem KI-Agenten, proaktiv zu handeln also Aufgaben auszuführen, ohne dass du ihm explizit eine Nachricht schickst.
Im Gegensatz zu normalen Chatbots, die nur auf Anfragen reagieren, kann ein OpenClaw-Agent mit aktiviertem Heartbeat eigenständig arbeiten: das Internet überwachen, E-Mails lesen, Reports erstellen und dir Benachrichtigungen schicken. Stell dir Heartbeat vor wie den Pulsschlag deines Agenten: alle X Minuten oder zu festen Uhrzeiten "wacht" er kurz auf, schaut nach, was zu tun ist, und legt sich wieder schlafen.
Kontext
Klassische Chatbots sind reaktiv. Du schreibst, sie antworten. Punkt. Heartbeat dreht das Modell um: Der Agent darf von sich aus aktiv werden. Damit nähert sich OpenClaw dem an, was in der Forschung als "Agentic AI" bezeichnet wird — Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen.
Heartbeat ist nicht zu verwechseln mit Tool-Calls innerhalb eines Gesprächs. Wenn du chattest und der Agent ein Tool nutzt, ist das immer noch reaktiv. Heartbeat ist der Mechanismus, der ihn zu Aktionen anstößt, wenn du gar nicht da bist.
Funktionsweise
Das Heartbeat-System basiert auf zeitgesteuerten Auslösern (ähnlich wie Cron Jobs in Linux), aber mit einem entscheidenden Unterschied: Statt einen festen Befehl auszuführen, startet Heartbeat eine LLM-Session mit einer Aufgabenbeschreibung.
- Timer läuft ab (z.B. jeden Morgen um 6:30 Uhr)
- Agent "erwacht" und prüft seine Heartbeat-Konfiguration
- Aufgaben werden ausgeführt (z.B. Kalender prüfen, News lesen) — der Agent darf dabei Skills nutzen
- Ergebnisse werden gesendet (z.B. Briefing per Telegram)
- Agent "schläft" wieder bis zum nächsten Heartbeat
Die Heartbeat-Konfiguration liegt typischerweise in einer separaten Datei oder Sektion innerhalb der Soul.md. Dort definierst du Trigger, Ziel-Channel und die Anweisung an den Agenten.
Praxis-Beispiel
Eine typische Heartbeat-Konfiguration für ein Morgen-Briefing:
heartbeats:
- name: morgen-briefing
schedule: "30 6 * * *" # täglich 6:30 Uhr
channel: telegram:gw
prompt: |
Erstelle mein Morgen-Briefing:
1. Heutige Termine aus Google Calendar
2. Wetter Berlin
3. Top-3 wichtige Mails ungelesen
4. Eine motivierende Frage für den Tag
Halte alles unter 200 Wörter.
- name: wettbewerbs-check
schedule: "0 10 * * *" # täglich 10:00 Uhr
channel: slack:competitive
prompt: |
Checke die Pricing-Seiten von wettbewerber-a.com,
wettbewerber-b.de und wettbewerber-c.io.
Vergleiche mit dem letzten Stand aus Memory.
Melde nur Änderungen.
Der Schedule folgt der Cron-Syntax. Wenn der Trigger feuert, ruft Heartbeat den Agenten mit dem Prompt auf, lässt ihn arbeiten und postet das Ergebnis in den definierten Channel.
Weitere Anwendungsfälle
- Wochen-Report (Freitag, 17:00): Erledigte Aufgaben zusammenfassen, offene Tasks priorisieren.
- Lead-Monitoring (alle 2h): CRM auf neue Anfragen prüfen, qualifizieren, ggf. Slack-Notif.
- Backup-Reminder (Montag, 09:00): Prüfen, ob letzte Backups erfolgreich liefen, sonst Alarm.
Heartbeat vs. klassische Cron Jobs
| Feature | Heartbeat | Klassischer Cron Job | | --- | --- | --- | | Intelligenz | KI entscheidet, was relevant ist | Führt exakt den definierten Befehl aus | | Flexibilität | Passt sich an Kontext an | Statisch | | Ergebnis | Zusammengefasst, priorisiert | Rohdaten | | Fehlerbehandlung | Agent versteht Fehler | Script bricht ab | | Kosten | Pro Run API-Tokens | Praktisch null |
Heartbeats sind nicht "kostenlos" wie ein klassischer Cron Job: Jeder Run kostet API-Tokens. Plane also bewusst, wie oft du sie feuern lässt.
Häufige Fehler / Stolperfallen
- Zu häufige Trigger: Ein Heartbeat alle 5 Minuten klingt cool, summiert sich aber schnell zu signifikanten API-Kosten. Beginne konservativ.
- Zu offene Prompts: "Mach was Sinnvolles" liefert unbrauchbare Ergebnisse. Definiere klar, was der Agent prüfen und melden soll.
- Keine Idempotenz: Wenn der Heartbeat zweimal feuert, weil der Server gerade neu startet, soll keine Aktion zweimal passieren (z.B. doppelte E-Mail-Sendung).
- Sensible Aktionen ohne Review: Lass Heartbeats nicht ohne Bestätigung E-Mails versenden, Geld bewegen oder Termine absagen. Schreibe Drafts, die du später freigibst.
- Logs ignorieren: Wenn ein Heartbeat schweigt, muss das nicht heißen, dass alles okay ist. Vielleicht crasht er still. Logging ist Pflicht.
Sicherheitshinweise
Da Heartbeat-Tasks ohne deine aktive Zustimmung laufen, beachte:
- Beschränke die Rechte: Definiere genau, was der Agent proaktiv tun darf
- Logging aktivieren: Protokolliere alle Heartbeat-Aktivitäten
- Sensible Aktionen ausschließen: Keine automatischen E-Mail-Sendungen ohne Review
- Allowlists nutzen: Nur bekannte Domains/Empfänger zulassen
- Backup im Crashfall: Wenn das Gateway crasht, soll systemd es automatisch neu starten
Verwandte Begriffe
Details zur Heartbeat-Konfiguration lernst du in Modul 5 der Masterclass.